Gerhard Bleul (1954–2020)

“Homöopathie ist die intelligenteste Form der Medizin, die ich kenne:
Minimaler Impuls mit maximaler Wirkung
unter Achtung der Souveränität des Individuums.
Die Lehre der Homöopathie erklärt nicht nur
das Gesundbleiben, Krankwerden und Gesundwerden,
sondern auch das individuelle Sein des einzelnen Menschen.
Sie ist eine unerschöpfliche Fundgrube und ein lebenslanger Auftrag.”
Gerhard Bleul (1954-2020) 

 

Am Mittwoch, den 3. Juni 2020, hat Gerhard Bleul seinen Lebenszyklus vollendet. Die Mitglieder der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) trauern mit seiner Familie.

Auch für die Homöopathie in Deutschland ist sein Tod ein schmerzlicher Verlust. Gerhard hat ungeheuer viele und vielfältige Beiträge geleistet und das noch bis kurz vor seinem Tod. Über viele Jahre war er Mitherausgeber der AHZ und hat auch selbst viele Artikel dort publiziert. Besondere Anliegen waren ihm die Lehre und die Erforschung der Homöopathie. In der Fort- und Weiterbildung war er selbst immer aktiv als Dozent und publizierte auch diverse Materialien und Bücher (so z. B. die Schriftenreihe des DZVhÄ zu den A- bis F-Kursen). Aber auch der heutige Stand der Homöopathie in der Türkei geht wesentlich auf sein langjähriges Wirken dort zurück. Der nunmehr ins Jahr 2021 verlegte 75. LMHI-Kongress in Istanbul ist ein Ergebnis.

2001 war er federführend beteiligt an der Gründung der Homöopathie-Stiftung des DZVhÄ und des Europäischen Instituts für Homöopathie (InHom), 2010 dann wiederum an der Gründung der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Homöopathie (WissHom) als Nachfolge von InHom. Der Internationale Coethener Erfahrungsaustausch (ICE) wurde ebenfalls 2001 von ihm initiiert und über viele Jahre auch gestaltet und organisiert. Bei WissHom war er seit der Gründung ehrenamtlich für die Koordination der Sektion Lehre verantwortlich, aber auch an vielen Projekten außerhalb dieser Sektion beteiligt. Seit November 2019 war er 2. Vorsitzender und hat diese Aufgabe bis zu seinem Rücktritt Anfang April mit vollem Einsatz erfüllt. Für die Präsidiumssitzungen von WissHom hat Gerhard Bleul jeweils seinen wunderschön im Taunus gelegenen Seminarraum zur Verfügung gestellt und uns gemeinsam mit seiner langjährigen lieben Lebensgefährtin Jutta Lindner wunderbar betreut und bewirtet.

Das Materia-Medica-Projekt Glopedia verdankt ihm sein Herzstück, den International Code of Symptoms (ICS) – und dies war auch der Inhalt eines seiner letzten Artikel in der AHZ (3/2020). Auch das Falldokumentationsprojekt Empirium geht wesentlich auf einen Dokumentationsstandard zurück, der in mehreren Konsensuskonferenzen entwickelt wurde, von Gerhard geduldig aber beharrlich und ergebnisorientiert moderiert. Die Arbeitsgruppe „Spezifische Krankheiten“ (bei Hahnemann „festständige Krankheiten“) wurde ebenfalls von ihm begründet und betrieben. In der Sektion Lehre förderte und begleitete er unter anderem die Ansätze zum Online-Learning. Eines seiner letzten Projekte war die Entwicklung eines Online-Lexikons.

Seine große und erfolgreiche Praxis führte er trotz schwerer Krankheit noch bis kurz vor seinem Tod. Die Weiterbildungskurse in Wiesbaden-Naurod, Fallseminare, Supervisions- und Arbeitskreise unter seiner Leitung begleiteten über Jahrzehnte junge Kollegen und Kolleginnen beim Studium der homöopathischen Lehre. Neben enormem Fleiß, seiner Eloquenz und Beharrlichkeit bleiben auch sein Humor und seine Wertschätzung unterschiedlicher Strömungen der Homöopathie in Erinnerung.

Er fehlt uns sehr – als Ratgeber und Diskussionspartner, besonders aber als Mensch und Freund. Wir hoffen, all das Gute, das er auf den Weg zu bringen vermocht hat, mit vereinten Kräften fortführen zu können.

Michael Frass, Anna Gerstenhöfer, Stephanie Jahn, Curt Kösters, Sigrid Kruse, Sieglinde Lauer, Susanne Ulbrich Zürni, Petra Weiermayer und Sandra Wuertenberger für die Wissenschaftliche Gesellschaft für Homöopathie (WissHom)

Köthen (Anhalt), im Juni 2020

 

Nachrufe

Zum WissHom-Nachruf (PDF): In Memoriam Gerhard Bleul

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